Brief an die Aktionäre

Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre

«Focus2015» auf Kurs

2013 steht für die LLB-Gruppe im Zeichen der Umsetzung der Strategie «Focus2015». Ziel ist, unsere Bank in einem veränderten Umfeld langfristig erfolgreich zu positionieren. Wir haben einige wichtige Entscheidungen getroffen und uns auf ein volatiles wirtschaftliches Umfeld, schärferen Wettbewerb und zusätzliche aufsichtsrechtliche Regelungen eingestellt. Als Universalbank sowie mit unserem starken Private Banking und institutionellen Geschäft richten wir den Fokus auf ausgewählte Kundensegmente und Märkte. Die Umsetzung der strategischen Initiativen verläuft planmässig. Unser Kostensenkungs- und Effizienzsteigerungsprogramm zeigt Wirkung. Die Entwicklung der operativen Leistung liegt im Rahmen der Erwartungen. Belastend war weiterhin das anhaltend tiefe Zinsniveau. Die Finanzmärkte in Europa waren von einer fragilen Stabilität geprägt. Die Verunsicherung der Kunden sowie der Kapitalmarktteilnehmer hat etwas nachgelassen.

Gestärkte operative Leistung

Die verwalteten Kundenvermögen der LLB-Gruppe überschritten im ersten Halbjahr 2013 wiederum die 50-Milliarden-Marke. Sie stiegen performancebedingt auf CHF 50.5 Mrd. an. In den Onshore- und Wachstumsmärkten verzeichneten wir Neugeld-Zuflüsse. Vermögen aus den traditionellen grenzüberschreitenden Märkten flossen weiter ab. Aufgrund der Restrukturierung resultierte per 30. Juni 2013 ein Netto-Neugeld-Abfluss von CHF 210 Mio. Die Kundenausleihungen stiegen leicht um 0.8 Prozent auf CHF 10.7 Mia. Die Hypothekarforderungen liegen praktisch unverändert bei CHF 9.1 Mia.

Das Konzernergebnis der LLB-Gruppe belief sich per 30. Juni 2013 auf CHF 13.6 Mio. und liegt damit 77.7 Prozent unter dem Vorjahr. Bereinigt um Sonderfaktoren würde die LLB-Gruppe im ersten Halbjahr ein Konzernergebnis von CHF 72.0 Mio. ausweisen. Unsere gestärkte operative Leistung zeigt sich vor allem darin, dass wir den Geschäftsertrag, bereinigt um die Sonderfaktoren, um 8.2 Prozent steigern und den Geschäftsaufwand um 6.9 Prozent senken konnten. Die Sonderfaktoren eingeschlossen nahm der Geschäftsertrag um 35.2 Prozent auf CHF 279.9 Mio. zu, der Geschäftsaufwand lag bei CHF 261.2 Mio. Die Cost-Income-Ratio betrug 70.2 Prozent. Die Mitarbeiterzahl wurde im ersten Halbjahr 2013 um 5.4 Prozent auf 1'031 Vollzeitstellen reduziert.

Sonderfaktoren

Unser Halbjahresergebnis wird von vier Sonderfaktoren getrübt: Wir haben weitere Rückstellungen in Höhe von CHF 31.2 Mio. für einen möglichen Mittelabfluss im Zusammenhang mit Zahlungen an US-Behörden gebildet. Die veränderten Rahmenbedingungen im internationalen Vermögensverwaltungsgeschäft machten zudem eine Wertberichtigung des Goodwill für die Tochtergesellschaft swisspartners Gruppe notwendig, was den Halbjahresabschluss mit einem Nettoaufwand von CHF 14.3 Mio. belastet. Drittens hat die Schliessung der LLB (Schweiz) AG ausserordentliche Abschreibungen von CHF 9.6 Mio. auf unsere Geschäftsliegenschaften in Lugano und Zürich zur Folge. Viertens haben wir Rückstellungen von CHF 3.3 Mio. für Restrukturierungen im Zuge von «Focus2015» gebildet.

Starke Eigenkapitalbasis

Unsere Bank gilt für die liechtensteinische Volkswirtschaft als systemrelevant. Es ist deshalb Teil unseres Selbstverständnisses, über genügend qualitativ hochstehende Eigenmittel zu verfügen. Wir sind überzeugt, dass eine starke Eigenkapitalbasis künftig ein deutlicher Wettbewerbsvorteil sein wird.

Die LLB-Gruppe betreibt ein umsichtiges Kapitalmanagement. Per 30. Juni 2013 verfügte sie über eine solide Eigenmittelausstattung von CHF 1.7 Mia., was einer Tier 1 Ratio von 17.4 Prozent entspricht. Unser hartes Kernkapital liegt seit Jahren konstant deutlich über dem, was die internationalen Eigenmittelstandards Basel III vorschreiben. Wir wollen unseren Kunden weiterhin eine überdurchschnittliche Sicherheit garantieren.

Marktdivisionen auf Kurs

Das Geschäftsmodell der LLB-Gruppe beruht auf den drei Marktdivisionen Retail & Corporate Banking, Private Banking und Institutional Clients. Im ersten Halbjahr 2013 haben wir in allen Kernbereichen Komplexität abgebaut, Kosten gesenkt, die Produktivität erhöht, den Zielgruppenfokus geschärft und die Bearbeitung unserer Zielmärkte intensiviert. Unsere Marktdivisionen erzielten Erfolge trotz erheblicher Herausforderungen wie steigendem Margendruck, Volatilität der Finanzmärkte, Unsicherheiten in der Eurozone, strengeren aufsichtsrechtliche Vorschriften und interner Restrukturierung.

Retail & Corporate Banking

Als Universalbank für die Menschen und die Wirtschaft in Liechtenstein und in der Nord-Ost-Schweiz konnten wir unsere Position behaupten. Wir haben unser Geschäftsstellennetz optimiert und die Zusammenarbeit mit der Liechtensteinischen Post zum Nutzen unserer Kunden intensiviert. Zudem haben wir für die LLB Vaduz und die Bank Linth Customer Service Centers in Betrieb genommen. Ende 2013 werden wir ein umfassendes Mobile Banking anbieten. Die strategischen Initiativen befinden sich auf Kurs. Dies gilt auch für die Optimierung der Segmentierung unserer Retail-, Corporate- und Private Banking-Kunden.

Die Marktdivision Retail & Corporate Banking der LLB-Gruppe verzeichnete im ersten Halbjahr 2013 einen Netto-Neugeld-Abfluss von CHF 51 Mio. Die verwalteten Kundenvermögen stiegen um 4.5 Prozent auf CHF 7.7 Mia. Das Hypothekarwachstum verlangsamte sich, ein Zeichen, dass die LLB-Gruppe im weiterhin dynamischen Immobilienmarkt mit ihrer konservativen Kreditvergabe verantwortungsvoll agiert.

Private Banking

Im Private Banking konnten wir in den Onshore-Märkten Liechtenstein, Österreich und Schweiz, sowie in den Wachstumsmärkten zulegen. In den Märkten Zentral- und Osteuropa sowie Naher und Mittlerer Osten haben wir die Marktbearbeitung verstärkt sowie passgenau auf unsere Kunden abgestimmte Produkte lanciert.

Im Rahmen von «Focus2015» haben wir entschieden, die LLB (Schweiz) AG zu schliessen. Mit der Schliessung senken wir Kosten sowie Komplexität, sichern uns aber zugleich die Vorteile der Bearbeitung unserer Wachstumsmärkte Zentral- und Osteuropa sowie Naher und Mittlerer Osten.

Im Zusammenhang mit der Schliessung steht auch der geplante Verkauf der Zweigniederlassung in Lugano. Die angekündigte Schliessung der LLB (Schweiz) AG wird voraussichtlich bis Ende 2013 abgewickelt sein.

Die Marktdivision Private Banking verzeichnete im ersten Halbjahr 2013 in den Wachstumsmärkten einen Netto-Neugeld-Zufluss. Insgesamt hat die Restrukturierung jedoch einen Abfluss von CHF 230 Mio. zur Folge. Die verwalteten Kundenvermögen sanken um 2.4 Prozent auf CHF 16.8 Mia.

Institutional Clients

Die Marktdivision Institutional Clients konnte die Dienstleistungen der LLB-Gruppe in den Bereichen Asset Management und Fund Services in den Märkten Liechtenstein und Schweiz ausbauen. Unsere Position als ein führender Fondsanbieter in Liechtenstein haben wir durch Ausbau und Diversifikation gestärkt. Zudem konnten wir grosse Vermögensverwaltungsmandate gewinnen. Wir haben unser Risikomanagement sowie unser Customer Relationship Management weiter verfeinert. Im November 2013 werden wir ein Portal zur multidimensionalen Kommunikation lancieren und unseren externen Vermögensverwaltern und Intermediären den Zugang zu einem Netzwerk von Wissensträgern ermöglichen.

Der Verkaufsprozess der Tochtergesellschaft Jura Trust AG befindet sich auf Kurs. Dies ist ebenfalls Ausdruck der Fokussierung auf unser Kerngeschäft. Wir sind zu der Einschätzung gelangt, dass die Jura Trust AG ihr Potenzial unter einem neuen Dach wirkungsvoller entfalten kann. Im Januar 2012 hatte die LLB-Gruppe bereits ihre Absicht kommuniziert, die Beteiligung an der swisspartners Investment Network AG zu verkaufen. Die Verkaufsverhandlungen ruhen vorläufig und werden wieder aufgenommen, sobald die Situation der swisspartners Investment Network AG hinsichtlich der US-Steuerthematik geklärt ist. Im Rahmen der strategischen Neuausrichtung auf das Kerngeschäft halten wir an der Verkaufsabsicht weiterhin fest.

Im ersten Halbjahr 2013 verzeichnete die Marktdivision Institutional Clients einen Netto-Neugeld-Zufluss CHF 76 Mio. Die verwalteten Kundenvermögen legten um 4.2 Prozent auf CHF 25.9 Mia. zu.

Lösung US-Steuerthematik LLB Vaduz

Mittlerweile hat die LLB Vaduz die seit 2011 dauernde US-Steuerthematik bewältigt, während sich andere Banken noch in einem frühen Stadium der Aufarbeitung befinden. Am 30. Juli 2013 einigte sich die Liechtensteinische Landesbank AG, Vaduz, mit den US-Behörden auf eine endgültige Lösung: LLB Vaduz, das US-Justizministerium und die Staatsanwaltschaft des südlichen Distrikts von New York unterzeichneten ein «Non-Prosecution Agreement». Mit dieser «Vereinbarung über Verzicht auf Strafverfolgung» beenden die USA ihre Untersuchungen gegen die LLB Vaduz. Diese leistet im Gegenzug eine Zahlung von USD 23.8 Mio.

Die LLB Vaduz verpflichtet sich, die in den Jahren 2001 bis 2012 erzielten Bruttoerträge in Höhe von USD 16.3 Mio. aus Geschäften mit steuerlich nicht deklarierten Vermögen US-amerikanischer Kunden zu erstatten. USD 15.9 Mio. der Summe gehen an die US-Behörden, USD 0.4 Mio. erhält die liechtensteinische Steuerverwaltung für ihre Kosten im Zusammenhang mit den US-Ersuchen. Zudem entschädigt die LLB Vaduz die USA mit einer Zahlung von USD 7.5 Mio. für entgangene Steuereinnahmen.

Die US-Behörden verzichten im «Non-Prosecution Agreement» ausdrücklich auf eine Strafzahlung oder Busse gegen die LLB Vaduz. Sie anerkennen damit die Bereitschaft der Bank zur Zusammenarbeit sowie die Tatsache, dass diese bereits vor Beginn der Untersuchung freiwillig Massnahmen ergriffen hatte, um US-Beziehungen ohne entsprechende Dokumentation zu beenden.

Im Jahresabschluss 2012 sowie im Halbjahresabschluss 2013 bildete die LLB-Gruppe Rückstellungen von insgesamt CHF 47.4 Mio. für die US-Steuerthematik. Der für die LLB Vaduz gebildete Teil der Rückstellungen wird nun aufgelöst. Die mit dem «Non-Prosecution Agreement» erzielte endgültige Lösung belastet unsere Erfolgsrechnung in Zukunft nicht mehr. Zudem schafft die Vereinbarung für die LLB Vaduz Rechtssicherheit für Kunden und Aktionäre.

Die LLB-Gruppe wird nun die Verhandlungen mit den US-Behörden weiterführen, um für die LLB (Schweiz) AG sowie die swisspartners Investment Network AG ebenfalls eine abschliessende Lösung zu erzielen. Für beide Unternehmen hat die LLB-Gruppe entsprechende Rückstellungen im Halbjahresabschluss 2013 beziehungsweise im Jahresabschluss 2012 gebildet.

Neue Verwaltungsräte

Der Verwaltungsrat der LLB-Gruppe besteht seit 3. Mai 2013 wieder aus sieben Mitgliedern. Mit der Zuwahl der im Bereich Bankenrecht anerkannten Schweizer Anwältin Dr. Patrizia Holenstein und des im Private Banking erfahrenen Unternehmers Peter Fanconi durch die Generalversammlung sind alle relevanten Profile in dem Gremium vertreten. Die Unabhängigkeit der Verwaltungsräte und ihre Professionalität gewährleisten das Funktionieren des Verwaltungsrates als oberste strategische Instanz.

LLB-Aktie stabil

Der LLB-Aktienkurs schloss per 30. Juni 2013 bei CHF 35.40 (30. Juni 2012: CHF 34.00). Seit Jahresbeginn hat die LLB-Aktie um 21.9 Prozent (30. Juni 2013) zugelegt. Nach der Ankündigung der Strategie «Focus2015» erhöhte die Zürcher Kantonalbank die Einstufung der Aktie auf Übergewichten und honorierte die strategische Neuausrichtung und das konsequente Kostensparprogramm, die solide Kapitalausstattung und die zugunsten der Aktionäre ausgerichtete langfristige Ausschüttungspolitik.

Mit Zuversicht in die Zukunft

Die Bankenwelt verändert sich und das wirtschaftliche und aufsichtsrechtliche Umfeld bleibt anspruchsvoll. Unsere Werte stehen für Wandel und zugleich für Stabilität. Als Bank mit Tradition schaffen wir Vertrauen, übernehmen Verantwortung, überzeugen durch Leistung und gestalten die Zukunft aktiv. Auch wenn Sonderfaktoren das Halbjahresergebnis 2013 prägten, so haben wir insgesamt signifikante Fortschritte erzielt, um bis Ende 2015 mit der Strategie «Focus2015» unsere Ziele zu verwirklichen: eine Cost-Income-Ratio unter 60 Prozent, eine Tier 1 Ratio über 16 Prozent und ein kumuliertes Konzernergebnis von mehr als CHF 300 Mio. Im ersten Halbjahr 2013 haben wir unsere operative Leistung gestärkt und die Umsetzung unserer neuen Strategie «Focus2015» zeigt Wirkung. Wir haben das Vertriebsnetz angepasst, unsere Kosten gesenkt und unsere Effizienz gesteigert, die Schliessung der LLB (Schweiz) AG sowie der Verkaufsprozess der Tochtergesellschaft Jura Trust AG verlaufen planmässig.

Diese Fortschritte stimmen uns zuversichtlich. Die LLB-Gruppe hat alle Voraussetzungen, ihre Position im Wettbewerb zu festigen und auszubauen: treue Kunden, Fachkompetenz, engagierte Mitarbeitende und finanzielle Solidität. Bei Ihnen, sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre bedanken wir uns herzlich für Ihr Vertrauen und für Ihr Engagement, mit dem Sie die Weiterentwicklung der LLB unterstützen.

Freundliche Grüsse

Roland Matt, Group CEO (Unterschrift)

Roland Matt
Group CEO

Dr. Hans-Werner Gassner, Präsident des Verwaltungsrates (Unterschrift)

Dr. Hans-Werner Gassner
Präsident des Verwaltungsrates

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